Plastikfrei einkaufen: So vermeidest du unnötigen Müll

Plastikfrei einkaufen: Jutebeutel statt Plastiktüte

Jedes Stück Plastik, das wir in der Vergangenheit verwendet haben, existiert noch immer. Aber ist es überhaupt möglich, plastikfrei einzukaufen? Wir haben Tipps gesammelt, wie du deinen Plastikverbrauch im Alltag reduzierst. 

Warum es wichtig ist, plastikfrei einzukaufen 

Weißt du, wie viel Verpackungsmüll wir produzieren? In Deutschland sind es fast 40 Kilogramm pro Kopf und Jahr – mehr als in den meisten Ländern der EU. Manches davon wird recycelt, anderes verbrannt. Trotzdem landet noch immer ein großer Teil unseres Plastikmülls in der Umwelt. 

Wer wissen möchte, wie genau die Zahlen aussehen, hat es gar nicht so leicht: Das Umweltbundesamt behauptet, dass Kunststoff in Deutschland fast komplett verwertet wird. Der sogenannte Plastikatlas kam dagegen 2019 zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel des Plastiks in Verbrennungsanlagen landen. Nur knapp 16 Prozent würden demnach recycelt – und etwa 14 Prozent landen auf asiatischen Mülldeponien

Deutschland ist einer der größten Exporteure von Plastikmüll: Ganze 697.000 Tonnen waren es im Jahr 2021. Auch illegale Exporte sind dabei ein Problem, das die Bundesregierung nur schwer in den Griff bekommt. Fakt ist: Vieles von dem Plastik, das wir wegwerfen, findet sich irgendwann in Böden, Meeren und anderen Gewässern.

Unser Müll der letzten Jahrzehnte verteilt sich, gefährdet Tiere und gerät in Form von winzigem Mikroplastik in unsere Nahrung. Bis Plastik verrottet, dauert es lange: Je nach Variante vergehen ungefähr 20 und 450 Jahre. Laut dem Umweltbundesamt gehen Experten inzwischen davon aus, dass Mikroplastik nie vollständig abgebaut, sondern einfach immer kleiner wird. 

Die Kunststoff-Hürden des Alltags

Immer mehr Menschen möchten deshalb weniger Plastik verwenden. Wenn du aber schon mal versucht hast, plastikfrei einzukaufen, weißt du, wie schwierig das ist. Plastik versteckt sich einfach überall. Ob Kosmetikartikel, Elektronik, Süßigkeiten, Getränke, Wurst, Käse oder Obst und Gemüse: Fast alles, was du im Handel kaufen kannst, steckt in einer Kunststoffhülle. 

Das Ironische dabei: Gerade Bio-Produkte sind oft in Plastik eingeschweißt. Für die Supermärkte ergibt das Sinn, weil sie sie so besser von konventionellen Lebensmitteln unterschieden können. Dazu kommt, dass verpackte Ware als hygienischer gilt und schon vorher abgewogen wird. Doch wer lieber Bio kauft, steht beim Einkauf oft vor einem Dilemma: Plastik oder Pestizide?

Es bleibt zu hoffen, dass das Bewusstsein für das Plastik-Problem steigt. In einer Umfrage des NABU gaben drei Viertel der Befragten an, lieber unverpacktes Obst und Gemüse zu kaufen. Wenn die Nachfrage diese Tendenz widerspiegelt, stellt sich hoffentlich auch die Lebensmittelindustrie irgendwann um. Mit den Plastikstrohhalmen hat es ja auch geklappt – die sind inzwischen weitestgehend von der Bildfläche verschwunden. 

So verbesserst du die Umweltbilanz deines Einkaufs

Auch wenn die Mühlen der Lebensmittelhersteller langsam mahlen: Es tut sich was. Zum Beispiel nimmt die Zahl der Unverpacktläden immer weiter zu. In den meisten deutschen Städten findest du inzwischen mindestens ein Geschäft, das verschiedene lagerfähige Produkte zum Selbstabfüllen anbietet. Zusätzlich erhältst du dort oft Hygiene-, Kosmetik- und Reinigungsartikel ohne Plastik, wie zum Beispiel festes Shampoo oder Bodylotion. 

Nudeln, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Süßigkeiten füllst du direkt im Laden in mitgebrachte Vorratsgläser ab. Für Öl, Essig oder Flüssigwaschmittel eignen sich alte Flaschen. Die Behälter lässt du vorher an der Kasse abwiegen – ihr Gewicht wird natürlich nicht berechnet. Falls du mal zu wenige Gläser dabei hast, gibt es in den meisten Unverpacktläden Papiertüten oder Behälter, die du kaufen kannst. Das mag dir zwar alles etwas umständlich vorkommen, im Endeffekt ist es aber Gewohnheitssache. 

Je mehr Menschen sich bemühen, weniger Plastik zu verwenden, desto besser für die Umwelt. Indem du auf Mehrweg statt Einweg setzt, vermeidest du viel unnötigen Abfall. Plastikfreies Einkaufen ist möglich – es braucht nur etwas Vorbereitung und eine kleine Grundausstattung für deinen Einkauf. 

Unsere Ausrüstungs-Tipps:

  • Vorrats- oder alte Schraubgläser
  • Gut verschließbare Flaschen
  • Zwei große Einkaufstaschen aus Stoff oder Einkaufskörbe
  • Einen Brotbeutel 
  • Mehrere Obst- und Gemüsenetze
  • Essensbehälter aus Glas oder Edelstahl 
  • Eine Mehrweg-Trinkflasche
  • Einen Mehrweg-Kaffeebecher
  • Bienenwachstücher

Kein Unverpacktladen in Sicht? 

Falls es in deiner Nähe bis jetzt noch keinen Unverpacktladen gibt, hast du verschiedene Alternativen. Immer mehr Supermärkte führen Selbstbedienungs-Bereiche ein: Genau wie im Unverpacktladen füllst du deine Lebensmittel hier einfach selbst ab. An der Frischetheke kannst du das Personal bitten, die Produkte für dich in mitgebrachte Behälter zu füllen. Und frisches Brot steckst du am besten in einen schicken Brotbeutel. 

Es lohnt sich in jedem Fall, wenn du dir die Geschäfte in deiner Umgebung genauer anschaust. Neben den Supermärkten gibt es in vielen Orten kleine Läden, die manches etwas anders machen als die Großen. Dort hast du in der Regel mehr Kontakt zu den Menschen – und vielleicht sind die Inhaber*innen ja sogar offen für deine Anregungen. 

Im Internet findest du außerdem eine Reihe an Online-Unverpacktläden, bei denen du dir viele Produkte direkt nach Hause liefern lassen kannst. Falls du ab und zu in einer größeren Stadt bist, kannst du dich dort mit haltbaren Lebensmitteln eindecken. In Großpackungen zu kaufen, ist ohnehin sinnvoller: Schon allein dadurch sparst du eine Menge Verpackungsmüll. 

Plastikfreies Obst und Gemüse 

Um frisches Obst und Gemüse zu kaufen, gibt es kaum etwas Besseres als einen Wochenmarkt. Die Produkte sind oft tagesfrisch und du unterstützt direkt die Erzeuger*innen – ganz ohne Zwischenhändler. Märkte sind auch deshalb toll, weil du vorwiegend regionale und saisonale Produkte erhältst: ein zusätzliches Plus für die Ökobilanz deines Einkaufs. Und, vielleicht das Wichtigste: Alles ist unverpackt. Außer vielleicht der Honig von Imker Mertens aus dem Nachbarort. 

Wochenmärkte haben eigentlich nur einen Nachteil: Sie finden, wie der Name schon sagt, meistens nur einmal pro Woche statt. Falls du zwischendurch Nachschub brauchst oder es in deiner Gegend keinen Markt gibt, sind lokale Obst- und Gemüseläden ein guter Anlaufpunkt. Auch dann unterstützt du kleine Einzelhändler*innen statt großer Supermarktketten. Für einen plastikfreien Einkauf denk daran, dein Gemüsenetz mitzubringen. 

Wenn du in einer ländlichen Region wohnst, hast du vielleicht sogar einen Hofladen um die Ecke. Dann kannst du dein Obst und Gemüse da kaufen, wo es gewachsen ist, und siehst die Hühner, die deine Eier legen. Manche traditionellen Landwirtschaftsbetriebe haben zusätzlich Produkte von anderen Höfen aus der Umgebung im Sortiment. Viel nachhaltiger geht es nicht. 

Milchprodukte, Takeout Food und Wasser ohne Plastik kaufen 

Milchprodukte im Supermarkt sind häufig in Tetra Paks abgefüllt. Die bestehen nur auf den ersten Blick aus Karton: Damit sie wasserdicht sind, sind die Verpackungen mit Kunststofffolie beschichtet. Milch, Sahne und Joghurt findest du aber in vielen Läden auch im Glas.  

Etwas schwerer haben es Veganer*innen und alle, die lieber Hafermilch trinken: Diese Produkte gibt es bislang nur selten in Glasflaschen. Leider stecken auch Tofu, Tempeh und vegane Joghurtvarianten meistens in Plastikverpackungen. Das Einzige, was du tun kannst, ist, deine pflanzliche Milch selbst herzustellen. Auch veganer Joghurt funktioniert mit Hilfe von Probiotika super in der heimischen Küche. Not macht immer noch erfinderisch. 

Über Wurst und Käse in mitgebrachten Brotdosen haben wir schon gesprochen. Dasselbe Prinzip funktioniert, wenn du ganze Mahlzeiten bestellst – zumindest dann, wenn du es abholst. Takeout Food produziert enorme Mengen Müll aus Plastik, Styropor und Aluminium. Sei einfach ein paar Minuten früher da und bitte das Team, deine mitgebrachte Box zu verwenden. Aber klar – am umweltfreundlichsten (und gesündesten) ist es immer noch, wenn du möglichst viel selbst kochst. 

Ein anderes großes Thema ist Wasser: Plastikflaschen zeigst du besser die kalte Schulter. Auch Mehrweg-Plastik ist nicht ideal. Deutsches Leitungswasser wird sorgfältig getestet, du kannst es problemlos trinken. Wenn du es spritzig magst, besorgst du dir einfach einen Wassersprudler. Solltest du wirklich Bedenken haben, Leitungswasser zu trinken, sind Wasserfilter eine nachhaltigere Alternative. 

Wer plastikfrei kaufen möchte, muss wachsam sein 

Lebensmittel, Kosmetika und Haushaltsprodukte erhältst du also mit etwas gutem Willen fast immer auch ohne Plastik. Aber was ist mit den anderen Dingen des täglichen Lebens? Viele Textilien enthalten Polyester oder andere Kunstfasern. Beim Waschen lösen sich winzige Partikel und gelangen in unser Wasser, wo sie als Mikroplastik ein langes Leben führen. Alternativen sind Baumwolle, Leinen und andere Naturfasern. In unserem Blogbeitrag erfährst du, wie du nachhaltige Kleidung für Yoga und Alltag erkennst.  

Bei vielen Produkten hast du als Verbraucher*in die Wahl: Es gibt nachhaltige Yogamatten, Spül- und Zahnbürsten aus Holz und Metall-Rasierhobel, bei denen du nur die Klinge auswechselst. Schwieriger – wenn nicht unmöglich – wird es bei Elektronikprodukten. Smartphones, PCS, Kabel & Co. haben fast immer einen Plastik-Anteil. Am nachhaltigsten ist es, diese so lange wie möglich zu verwenden und anschließend fachgerecht zu entsorgen

Du hast dir vorgenommen, in Zukunft plastikfrei einzukaufen? Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben, das etwas Aufwand mit sich bringt. Aber es lohnt sich, denn jedes Stück Plastik zählt. Was auch helfen kann: Sprich offen an, was dir negativ auffällt. Wenn Supermärkte und Hersteller merken, dass die Verbraucher*innen unverpackte Ware bevorzugen, stellen sie sich irgendwann darauf ein.

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